Übungsleiterschulung Präventionskonzept

02.10.2019

Präventionskonzept: MTV Elze nimmt die Arbeit auf

Erster Schritt: Übungsleiter werden von Kreissportbund und Kinderschutzbund geschult

 

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des MTV Elze hatte der Vorstand bekannt gegeben, dass sich der Elzer Großverein mit einem Präventions- und Schutzkonzept für seine Mitglieder stark machen möchte. In einem Auftakttermin mit dem Landessportbund (LSB) wurde der Vorstand Anfang des Jahres bereits ausführlich und anschaulich über die Themen „sexualisierte Gewalt“, „Grenzverletzungen“ und eben auch die Erstellung eines Präventions- und Schutzkonzeptes informiert. Dieses Treffen hat dem MTV-Vorstand noch einmal verdeutlicht, dass er an dieser Stelle aktiv werden möchte. So wurde der offizielle Beschluss gefasst, dem MTV Elze ein Präventions- und Schutzkonzept zu geben.

 

Der MTV Elze ist damit Teil des Projektes des LSB Niedersachsen, seiner Sportjugend und seiner Sportbünde und -jugenden unter dem Titel „AUSGEZEICHNET. Verein(t) zum Schutz vor sexualisierter Gewalt“. Für die Entwicklung des Schutzkonzeptes stellt der Kreissportbund (KSB) den Vereinen ein sog. „Tandem“ zur Seite; dieses besteht im Falle des KSB Hildesheim aus einem eigener Mitarbeiter für Vereinsentwicklung sowie einer Mitarbeiterin des hiesigen Kinderschutzbundes. Die Kooperation zur Erstellung des Konzeptes ist auf bis zu zwei Jahre angelegt. Es gibt zahlreiche Bausteine auf dem Weg zu einem fertigen Konzept. Dies sind beispielsweise die Aufstellung eines gemeinsamen Regelkatalogs, das Aufdecken von möglichen Risiken, die Benennung einer Vertrauensperson, aber auch die Sensibilisierung und Qualifizierung der Übungsleiter und Betreuer der Mannschaften. Genau für diese Qualifizierung trafen sich am vergangenen Wochenende knapp 30 Verantwortliche des MTV Elze aus allen Sparten in der Jahnturnhalle.

 

Nach der Vorstellung der Ziele des Konzeptes, wurde noch einmal genauer auf die Kinderrechte eingegangen, die jedem Kind und Jugendlichen gem. UN-Kinderrechtskonvention u.a. die Mitsprache in eigenen Angelegenheiten, ein Recht auf Fürsorge und den Schutz vor körperlicher, seelischer und sexualler Gewalt einräumen. Die Übungsleiter erarbeiteten in Folge, inwieweit diese Rechte bereits in ihrer Vereinsarbeit erfüllt und beachtet werden sowie welche Aufgaben sich dafür als Übungsleitende ergeben. Es folgte eine Information zum Thema „Sexualisierte Gewalt“. Hierbei wurden nicht nur Erscheinungsformen und Ausmaß besprochen, aber vor allem auch erschreckende Zahlen benannt: 2016 wurden 12.000 Ermittlungsverfahren wegen sexueller Übergriffe eingeleitet. Hinzukommen kommen noch rund 7.000 Fälle von Kinderpornografie. Dies ist aber nur das sog. „Hellfeld“, denn es gibt zahlreiche Fälle, die nicht strafrechtlich verfolgt werden. Die Dunkelziffer ist daher noch weit schlimmer: Jedes 3.- 4. Mädchen und jeder 9.-12. Junge unter 18 Jahren hat in ihrem/seinem Leben sexuelle Grenzverletzungen erlebt. Schlimmer noch: Betroffene müssen im Durchschnitt bis zu sieben Versuche unternehmen, bevor sie Gehör finden und ihnen geglaubt wird. Als Verein und Verbände möchte man in diesem Umfeld erreichen, eine sog. „Garantenstelle“ zu übernehmen und für Betroffene (ob im Verein oder außerhalb) vertrauensvoller Ansprechpartner zu sein. Aufgabe der Teilnehmer der Veranstaltung am 28.09. war es nun, mögliche Erscheinungsformen im Sport zu besprechen, sich ein Bild von möglichen Tätern zu machen und zu überlegen, wie man potentiell in der eigenen Sparte vorgehen würde, um Opfer zu finden. Dies war für alle eine sehr herausfordernde Aufgabe, führte aber zu interessanten Ansätzen und auch dazu, sich über erste Risiken im Verein Gedanken zu machen. Gleichzeitig wurde aber auch noch einmal auf die ambivalente Gefühlswelt der Betroffenen eingegangen, die nicht immer nur in einen Rückzug der Person münden muss.

 

Dieser Termin war für alle Beteiligten sehr interessant und regte – auch durch die Ideen und Gedanken der Teilnehmer mit unterschiedlichen Erfahrungen – stark zum Nachdenken an.

Dies werden die Übungsleiter nun mit ihren Übungsbetrieb mitnehmen. Die in diesem Termin ausgearbeiten Risiken werden nun in einem nächsten Termin des MTV-Vorstands mit dem „Tandem“ des KSB in eine Risikoanalyse münden.

 

Foto: Übungsleiterschulung 28.09.2019

Fotoserien zu der Meldung


Übungsleiter Fortbildung (28.09.2019)